Warum dein CAD-Modell bei 25 °C perfekt passt – und in der Realität versagt.“
- Konrad Walz

- Sep 5, 2025
- 1 min read
Warum dein CAD-Modell bei 25 °C perfekt passt – und in der Realität versagt.“"
Eine tiefere Analyse von Toleranzketten & thermischem Verhalten in technischen Baugruppen
⸻
🧠 CAD ist eine Vereinfachung. Und meistens findet diese Vereinfachung bei 20–25 °C statt, mit perfekten Nennmaßen und idealen Bedingungen.
Doch in der Realität wirken: • Temperaturunterschiede • Fertigungstoleranzen • Werkstoffpaarungen mit unterschiedlicher Ausdehnung • Spannung durch Montage
Und all das führt zu:
👉 Übermaß, Spiel, Klemmung, Verzug oder Zwangslagen
⸻
🔬 Ein Beispiel:
Alu-Gehäuse mit Stahl-Welle und Presssitz.
Annahmen: • Stahl-Welle d = 25.000 mm • Alu-Gehäuse-Bohrung D = 24.975 mm → Presssitz mit 25 µm Übermaß • Temperatur bei Montage: 20 °C • Temperatur im Betrieb: 70 °C • α (Alu) ≈ 23e-6 /K, α (Stahl) ≈ 12e-6 /K
Was passiert im Betrieb? • Alu dehnt sich mehr → Bohrung wird größer • Stahl dehnt sich weniger → Welle bleibt kleiner → Ergebnis: Der Presssitz verliert seine Klemmkraft → Spiel entsteht → Lager wandert → Bauteil versagt
⸻
⚠️ Was bedeutet das?
Ein scheinbar „korrekt konstruierter“ Sitz kann bei Temperaturdifferenz vollständig funktionsuntüchtig werden.
⸻
✅ Wie man das verhindert: 1. Toleranzketten analysieren mit Worst-Case-Betrachtung 2. Thermische Ausdehnung pro Werkstoff berücksichtigen 3. Montage- & Betriebstemperatur trennen 4. Simulation / FEA mit Temperaturfeldern durchführen 5. Montagekonzepte anpassen (z. B. Kälte-/Warmeinbau, Entlastnuten etc.)
⸻
💡 Fazit: 👉 Wenn du in deinem CAD nur Maße „einstellst“ – ohne Toleranzen und Thermik – dann konstruierst du in einer Welt, die so nicht existiert.
Technik passiert bei 70 °C, in der Werkstatt, unter Spannung – nicht im Schreibtischmodell.
Comments